Der Nachtzirkus

von Erin Morgenstern

Hector Bowen, bekannt als Prospero der Magier, erfährt, dass er eine Tochter hat, die sein Talent geerbt hat – sie kann echte Magie wirken und die Welt um sich herum damit beeinflussen. Sofort setzt er sich mit seinem größten Rivalen in Verbindung, denn es ist Zeit für einen neuen Wettkampf und nach der letzten Niederlage ist er gewiss, dass er dieses Mal gewinnen kann! Dabei kämpfen sie jedoch nicht selbst, sondern schicken jeweils einen ihrer Schüler vor, die ihre Kräfte miteinander messen müssen. Mit unterschiedlichsten Methoden bereiten sie die Kinder jahrelang vor, treiben sie ans äußerste, bis die Zeit gekommen ist. Und nach all der Zeit steht endlich der Austragungsort fest: ein sehr spezieller Zirkus, geschaffen, um ihnen als Spielbrett zu dienen. Doch alles verändert sich, als die beiden Kontrahenten sich das erste mal persönlich begegnen und rettungslos ineinander verlieben…

Dieses Buch entwickelte sich völlig anders, als ich erwartet hatte und das auf so vielen Ebenen, dass ich einfach nur beeindruckt war. Ich hatte eine actiongeladene Geschichte voller Magie mit dem Hauptaugenmerk auf der Liebe zwischen den beiden erwartet – bis auf einen Punkt traf nichts davon zu, zumindest nicht so stark.

Die Autorin hat es vorgezogen, die Charaktere und deren Entwicklung über die Zeit im Mittelpunkt zu verankern (ich liebe so etwas!). Die Ausbildung der beiden, die nicht unterschiedlicher hätte verlaufen können. Die eine, ein geborenes Talent, das lernen muss, sich zu kontrollieren, der andere ein ganz gewöhnlicher Junge, um zu zeigen, dass jeder das Handwerk der Magie erlernen kann. Von Kindesbeinen an werden sie jeder auf ihre Weise trainiert und das nicht gerade mit netten Methoden. Wobei mir das exzessive lernen und ignoriert werden deutlich lieber gewesen ist als das, was Prospero mit seiner Tochter macht.

Action war in der Geschichte so gut wie gar nicht zu finden, trotzdem mangelte es nicht an Spannung, obwohl man als Leser*in genau wusste, wer gegen wen antreten musste. Doch dass die beiden das noch herausfinden mussten, hatte wirklich etwas für sich.

Und dann ist da die Magie, die sich allgegenwärtig durch die Seiten zieht. Im Schauplatz des Wettstreites, dem Nachtzirkus, erschafft jeder von ihnen eigene Zelte, um so sein Können zu zeigen. Es hat sich gelesen, als wäre ich durch eine Traumlandschaft gewandert. Gärten, völlig aus Eis erschaffen, lebende Papiertiere (worunter auch ein feuerspeiender Drache fällt) und so viele andere märchenhafte Zelte die meine Phantasie beflügelt haben.

Die Liebesgeschichte spielt eigentlich erst ab der Hälfte des Buches eine etwas größere Rolle und das hat mich sehr gefreut. So hatte ich als Leserin die gleiche Zeit, wie die beiden, habe mitfühlen und nachvollziehen können, wie es dazu kam. Und dann der Moment, als sie erfahren haben, wann der Wettstreit wirklich beendet ist. Es hat mir fast das Herz zerrissen!

Faszinierend fand ich auch, dass das Konzept der Zeit einen wichtigen Punkt der Geschichte ausgemacht hat. Wer das Buch liest sollte, wenigstens anfangs, immer auf die Jahreszahlen achten, die bei jedem Kapitel stehen. Ich wäre sonst sehr schnell durcheinander gekommen.

Mein einziger Wermutstropfen ist wirklich, dass es vor allem kurz vor der Mitte längere Abschnitte gab, die sich etwas gezogen haben. Ich habe längere Pausen gemacht, ohne das Bedürfnis zu verspüren, sofort weiterlesen zu müssen. Doch jedes Mal kam ich sehr schnell wieder in die Geschichte rein und sobald ich diesen Part „überstanden“ hatte, war es mir auch kaum möglich, mich von den Seiten zu lösen.

Eine wirklich zauberhafte Geschichte, die ich sicher nicht das letzte Mal gelesen habe! 4 ⭐️

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