Blutrote Schwestern

von Jackson Pearce

Wenn es dunkel wird, ziehen zwei junge Frauen durch einsame Gassen und Wälder. Mit ihren blutroten Mänteln und süßen Parfüms locken sie Werwölfe an – aber wenn diese sich auf die vermeintlich hilflosen Opfer stürzen, ziehen Scarlett und Rosie ihre Äxte hervor und schlagen zu. Doch dann beginnt die jüngere Rosie zu ahnen, dass es noch mehr im Leben geben kann als die Jagd – und begeht einen Fehler, der sie und Scarlett in größte Gefahr bringt: Sie verliebt sich …

Fast jeder kennt doch das Märchen von Rotkäppchen und dem Wolf – ein Märchen, das diese Geschichte in die aktuelle Zeit zieht und umdreht, denn hier macht Rotkäppchen Jagd auf Wölfe. Die Tatsache, dass es in der heutigen Zeit spielt hat mich, obwohl ich es wusste, anfangs allerdings doch etwas irritiert. Wenn der Fernseher seine Laute von sich gab oder das Auto genutzt wurde. Das hat sich jedoch schnell wieder gelegt und ich konnte die Geschichte genießen.

Scarlett und Rosie, die Schwestern, aus deren Sicht das Buch abwechselnd geschrieben ist, glauben, sie sind gleich. Ein gemeinsames Herz, deren Hälften in den beiden ruht. In Wirklichkeit könnten sie unterschiedlicher nicht sein, was sich auch im Laufe der Geschichte herauskristallisiert. Scarlett lebt für die Jagd. Für sie gibt es nichts anderes. Rosie dagegen begreift mit der Zeit, dass es noch andere Dinge da draußen gibt, dass sie ihr Leben nicht der Jagd verschreiben muss. Der Bruch, der dadurch zwischen den Schwestern entsteht und was daraus folgt, ist gut dargestellt, doch leider fehlt es den beiden, meiner Meinung nach, ansonsten an Tiefe, vor allem Scarlett. Als Silas dann auftaucht und Teil der Gruppe wird, beginnt die Geschichte leider vorhersehbar zu werden. Schnell hatte ich meine Vermutungen – die sich leider auch alle bestätigt haben.

Die Kämpfe gegen die Wölfe, hier Fenris genannt, werden immer sehr genau und actionreich beschrieben. Sie können also etwas brutal anmuten – wer das nicht mag, sollte lieber die Finger von dem Buch lassen. Ich bin zwar kein Fan von zu viel Blut, aber hier wurde es so eingesetzt, dass es meinen Lesefluss nicht gestört hat. Eher klebte ich noch fester an den Seiten.

Ingesamt hat mir die Geschichte gefallen, aber sie war auch ziemlich vorhersehbar. Es waren einige gute und für mich neue Ansätze enthalten, die sich aber leider in bekannte Bahnen entwickelt haben. Anfangs hoffte ich also noch auf viele Überraschungen, aber spätestens ab der Hälfte war mir klar, in welche Richtung die Geschichte geht.

Auch das Ende war nicht mehr überraschend – was jedoch nicht heißt, dass ich das Buch schlecht fand. Der Schreibstil hat mir gefallen, die Geschichte war interessant und die zwischen den Schwestern wechselnden Perspektiven haben mir gute Einblicke in die jeweilige Person gegeben.

Eine actionreiche, schöne Geschichte, aber leider vorhersehbar. 3 ⭐️

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