Der Sommermonat August zeigte sich von seiner herbstlichen Seite. Mehr Regen als Sonnenschein lud zum Einkuscheln und auf der Couch lesen ein, gelegentlich sogar mit einer Wärmflasche am Körper.

Herausforderungen im August:

Seitenziel: 1.200 / 2.649

  1. Ein Buch mit nur einem Wort als Titel - Seelenhüter
  2. Ein Buch, das vor 2018 erschien - Drachenglanz
  3. Ein Buch von einem Kleinverlag - das hungrige Glas

Herausforderung 1: Ein Buch mit nur einem Wort als Titel lesen.

Da bei vielen Büchern Untertitel in allen möglichen Formen zu finden sind, war die Auswahl bei dieser Aufgabe nicht sehr groß. Meine Wahl fiel daher sehr schnell auf „Seelenhüter“ von Laura Whitcomb.

Es geht um Calder, den Seelenhüter. Er führt die Seelen der Verstorbenen in den Himmel. Bis er am Sterbebett eines kleinen Jungen erscheint und dort eine junge Frau sieht, in die er sich sofort verliebt. Um sie wiederzusehen bricht er alle Gebote, doch um welchen Preis? Die Geschichte beginnt düster, sehr düster. Calder erzählt, wie viele Tote er schon begleitet hat, wie viele von ihnen verstorben sind und wie das Leben danach aufgebaut ist. Ab dem Moment, in dem er die junge Frau trifft, ändert sich das jedoch. Seine Gedanken kreisen nur noch um sie und er beschließt, sie zu seinem Schützling zu machen - also zu jemandem, wie sich selbst. Ohne weiter darüber nachzudenken, tauscht er den Platz mit einem Verstorbenen und und wandert dann in dessen Körper durch die Welt, um die junge Frau zu finden. Dieser Verstorbene war niemand geringeres als Grigori Rasputin. Die Geschichte führt uns also ins Zarenreich. Die erwartete Liebesgeschichte blieb so gut wie aus, worüber ich froh bin, denn die Charaktere waren nicht so gut ausgebaut, dass ich sie geglaubt hätte. Auch waren ein paar widersprüchliche Handlungen und Gedanken vorhanden, die mich beim Lesen gestört haben. Trotz der interessanten Thematik und dem schönen Schreibstil, hat mich die Handlung selbst leider nicht packen können. Sie plätscherte vor sich hin, versuchte Spannung aufzubauen, doch das misslang bei mir. Das Ende dagegen fand ich sehr gut. Es ist offen gehalten und schließt die Möglichkeit des eigentlich Unmöglichen mit ein. Das hat bei mir tatsächlich einiges rausgerissen.

Viele Stärken, aber auch Schwächen. 3 ⭐️

Herausforderung 2: Ein Buch lesen, das vor 2018 erschien.

Es war nicht geplant, dass ich den vierten Band der Drachenreiter, "Drachenglanz" von Naomi Novik, so schnell schon lese. Aber ein paar sehr liebe Buchmenschen auf Twitter haben mich dazu gebracht, das Buch doch vorzuziehen. Daher ist es mein Buch, das vor 2018 erschienen ist!

Eine gravierende Seuche, für die es kein Heilmittel gibt und alle Drachen Englands langsam aber sicher dahinrafft. Einzig Temeraire bleibt trotz Kontakt mit dem Virus gesund. Das heißt, dass er auf seiner Reise nach China bereits das Heilmittel zu sich genommen hat. Daraufhin machen er und Laurence sich mit ein paar anderen Drachen des Korps auf den Weg, um eben jenes Heilmittel zu finden, denn sie wissen nicht, was es gewesen sein könnte. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt, denn den anderen Drachen geht es alles andere als gut. Der drohende Tod schwebt über jeder einzelnen Seite dieser Geschichte und macht das Lesen sowohl beklemmend, denn der Verlust lieb gewonnener Freunde könnte die Folge des Versagens sein. Doch das macht es auch so spannend, dass es mir kaum möglich war, das Buch wegzulegen. Und dann das Ende! Entsetzlich und schrecklich und doch unausweichlich nach dem, was Temeraire und Laurence getan haben. Den Folgeband werde ich wohl sehr zeitnah auch noch lesen, um zu wissen, ob dieses schreckliche Schicksal wirklich droht! (Weiter unten steht meine Kurzrezension zu Band 5 xD)

Atemlose 5 ⭐️

Herausforderung 3: Ein Buch aus einem Kleinverlag lesen.

Früher wäre mir diese Aufgabe wohl unmöglich erschienen, doch heute bin ich nicht mehr nur auf große Verlage und bekannte Autoren beschränkt. In meinen Regalen finden sich auch Selfpublisher und Kleinverlage. Da es allerdings noch nicht sehr viele sind, fiel mir die Wahl doch ziemlich leicht. Es wurde „Das hungrige Glas“ von Heiko Hentschel.

Es handelt von den Geschwistern Moritz und Konstanze, die nach dem Tod ihrer Eltern in einem Waisenhaus leben. Eines Nachts bricht ein Monster in ihr Zimmer ein und entführt Konstanze. Für Moritz zählt jetzt nur eines: Das Monster finden und seine Schwester retten! Dabei trifft er eines Nachts auf den Monsterjäger Edgar, der verspricht, ihm zu helfen. Doch auch aus der Sicht des Antagonisten wird geschrieben, sodass beim Lesen Hintergründe und Vergangenheiten einfließen. Es ist ein Kinderbuch und was ich genau erwartet habe, weiß ich gar nicht, aber es hat mich völlig umgehauen! Die Beschreibungen sind fantastisch und so bildlich und dieser genial eingearbeitete Humor, der mich mehr als einmal hat auflachen lassen. Die ganze Geschichte war so spannend und actiongeladen, dass ich in keinem Moment das Gefühl hatte, mich zu langweilen. Selbst Erklärungen oder das Training waren so umgesetzt, dass sie eher spannend und lustig wirkten, nicht langatmig, wie das öfters der Fall ist. Und dann die Wesen! Mein absolutes Highlight sind die  süßen Boogelbies, die auch als Kapitelzierde verwendet werden. Sie haben sogar ein eigenes Glossar am Ende, weil im Text viele neu erfundene Wörter verwendet werden, um ihr Verhalten zu beschreiben. In der Geschichte werden auch sehr wichtige Themen aufgegriffen, unter anderem, sich seiner Angst zu stellen, und mit Verlust umzugehen, sodass ich das Buch sogar als wertvoll für Kinder einstufen würde. Für mich ist dieses Buch, für Jung (ab 12) und alt eine absolute Leseempfehlung!

Ein fantastischer Auftakt! 5 ⭐️

Neben den Herausforderungen sind auch diesen Monat wieder einige Bücher zusammengekommen. Dies Mal sind sie aus den unterschiedlichsten Genres gepflückt und für die verschiedensten Altersklassen gedacht.

Tintenblut (Band 2), Cornelia Funke

Mit diesem zweiten Teil wurde ich wieder in meine Jugend katapultiert. Die Charaktere, die Geschichte, alles erinnerte mich an früher. Dieser Teil ist deutlich brutaler geworden, kein Wunder, sie sind alle in der Tintenwelt, sie alles andere als friedlich ist. Der Anfang zog sich für meinen Geschmack ein wenig in die Länge, doch bald wurde es mit jedem Kapitel spannender, bis ich die Seiten förmlich verschlungen habe. Die ständigen Wechsel der Perspektiven unterstützen die Spannung nur noch. Viel zu schnell gelangte ich jedoch an das Ende, das ich wohlweislich verdrängt habe. So wundervoll die Idee, die Szene und der Gedanke dahinter auch war, das alles machte es nicht besser. Ich habe meine absolute Lieblingsfigur verloren und mein Herz brach. Allerdings hebe ich noch die Hoffnung, dass ich von diese Figur nicht zum letzten Mal gelesen habe! Ein Grund mehr, bald den dritten Band anzufangen!

Eine wundervolle Reise durch eine düstere Buchwelt! 4 ⭐️

Hüter der Nacht 1 - unsichtbarer Geliebter, Tina Folsom

Selten, aber gelegentlich doch, nehme ich mir eine Romance-Geschichte vor. Früher war ich ein Fan solcher Geschichten, doch inzwischen ödet es mich tatsächlich an. Voller Klischees, keine Überraschungen und einfach immer das gleiche. Trotzdem versuche ich immer Mal wieder mein Glück, denn einige Perlen verstecken sich zwischen dem Üblichen. Dieses Buch ist zwar keine Perle, doch es hat mich wirklich positiv überrascht! Ein paar Klischees waren vorhanden, ja, auch die Liebe war ein großes Thema - aber das ist noch längst nicht alles! Mich hat die immer spannender werdende Handlung sehr überrascht. Mordanschläge, Verräter in den eigenen Reihen und mal keine hirnlosen Dämonen, die sich auf alles stürzen, was sich bewegt und interessante, lebhafte Charaktere. So war es kein Wunder, dass ich die Geschichte innerhalb von ein paar Abenden durchgelesen hatte. Ob ich die Reihe weiterverfolgen werde, weiß ich tatsächlich noch nicht, aber nichtsdestotrotz hat mir dieses Buch ein paar unterhaltsame Stunden geschenkt.

Überraschend positive 3 ⭐️

Die Feuerreiter seiner Majestät 5 - Drachenwacht, Naomi Novik

Wie erwartet musste ich diesen Band schnell lesen und habe ihn auch gleich nach dem vierten in die Hand genommen. Nahtlos schlossen die Ereignisse an das schreckliche Ende vom vorherigen Band an und vor allem die ersten Seiten waren sehr bedrückend zu lesen. Denn Laurence droht als Verräter der Tod und Temeraire wird in ein Zuchtgehege verfrachtet und soll sich dort ruhig verhalten. Damit er dies jedoch tut, lässt die Regierung Laurence am Leben, eingesperrt im Gefängnis. So fängt dieser Band schon damit an, dass jeder der Beiden ohne den anderen in seinem Gefängnis festsitzt. Doch dann wagt Napoleon einen Angriff und schafft es über den Kanal. Nun wird jeder Drachenreiter gebraucht, ob nun Verräter oder nicht. Laurence macht sich sofort auf den Weg zum Zuchtgehege, doch Temeraire ist fort, genau wie alle anderen Drachen. Eines der besten Dinge in diesem Teil ist tatsächlich, dass endlich aus Temeraires Sicht geschrieben wird. Da die beiden getrennt sind, hat er endlich seinen eigenen Handlungsstrang und den weiß er auch verdammt gut zu nutzen, denn er bildet mit den anderen Drachen aus dem Zuchtgehege nicht weniger als seine eigene Armee. Auch sie wollen ihr Territorium vor Napoleon schützen. Doch sonst ist auch dieser Band sehr düster und, wie schon geschrieben, sehr bedrückend. Auch nimmt der Krieg einen immer größeren Teil der Geschichte ein. Eigentlich geht es schon nach dem dritten Kapitel los und das ist wirklich früh. Allerdings geschehen so viele Dinge, einige schrecklich, andere wundervoll, dass es zu keinem Augenblick gestreckt wirkt. Immer ist etwas los und nur vereinzelt findet man dir Möglichkeit, um eine Pause einzulegen. Umso glücklicher bin ich über das Ende. Es ist zwar längst nicht alles gut, doch besser, als vorher. Und mit Freuden werde ich mich auf die weiteren Bände der Reihe stürzen.

Erschreckend fantastische 5 ⭐️

Falls ihr euch für die noch kommenden Aufgaben interessiert, hier ist die Seite mit allem, was ihr für die Herausforderung wissen müsst!

#ReadMo2021 – Die Lesejahrchallenge